Froodies: Unternehmens-MHD bereits abgelaufen?

21. Mai 2012 · 1 comment

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Der Online-Supermarkt Froodies muss dieser Tage unerwartet Insolvenz anmelden. Grund hierfür scheint eine geplatzte Finanzierungsrunde, „da es überraschend zusätzlichen Abstimmungsbedarf unter den Investoren gab“, zitierte exklusiv Deutsche-Startups die Aussagen von Froodies-Geschäftsführer Ingo Bohg.

Froodies ist insolventAuch Netzkonsum konnte sich heute ein Bild davon machen, denn der Onlineshop ist mittlerweile Offline gegangen. Lediglich der kurze Hinweis: Wir bauen für Sie um! – erscheint aktuell auf der Froodies-Domain. Soll es das bereits gewesen sein? Haben die großen Supermarktketten noch immer recht, wenn Sie den Lebensmittel-Onlinehandel für unrentabel halten?

Doch zu Beginn hat es für Froodies ganz gut ausgesehen. Immerhin konnte sich das Startup 3 Jahre im äußerst margenschwachen Lebensmittelmarkt behaupten. In 2009 gestartet, sammelte der Online-Supermarkt in mehreren Finanzierungsrunden eine beträchtliche Eurosumme bei Business Angels zusammen. Dieses Kapital sollte damals in das strategische Wachstum und die bundesweite Expansion fließen.

Dafür war geplant, in zahlreichen größeren bundesdeutschen Städten ein eigenes Netz an Lieferservices zur persönlichen Kundenbelieferung zu spannen. In der Umsetzung war ein dezentraler Lieferansatz ohne Lager, jedoch mit eigenen Fahrzeugen und der Kooperation mit lokalen Lebensmittelhändlern vor Ort vorgesehen. In der Folge konnte Froodies das Wachstumstempo 2010 sogar durch die Übernahme eines direkten Mitbewerbers (lila-se) noch erhöhen.

Noch vor wenigen Wochen war nichts von der angespannten Situation zu spüren. Als eines von neun Gründungsmitgliedern engagierte sich Froodie im neuen Bundesverband Lebensmittel-Onlinehandel (BVLO) und weitete seine eigene Geschäftstätigkeit auch auf die Hansestadt Hamburg aus. Insgesamt sechs deutsche Städte wurden zuletzt durch den eigenen Fuhrpark direkt beliefert.



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Verursachte genau dieses Geschäftsmodell die nun augenscheinlich zu Tage getretenen Probleme? Immerhin fuhr Froodies mit seiner dezentralen Belieferung durch den eigenen Fuhrpark und den bundesweiten Versand eine im Vergleich zur Konkurrenz sehr kostenintensive zweigleisige Strategie.

Zudem stellte der Online-Supermarkt aktuell sein Backend um, da Funktionserweiterungen von Seiten der Kundschaft gefordert wurde. Diese dringende Systemumstellung verlief dem Vernehmen nach alles andere als reibungslos. In der Konsequenz war das Warenangebot eingeschränkt und nicht alle Zahlungsmöglichkeiten standen den Konsumenten permanent zur Verfügung. Dafür sammelte Froodies nicht wenige böse Kommentare auf seiner Facebook-Seite.

Ob und wie sich Froodies nun von den aktuellen Problemen erholen wird, bleibt indes abzuwarten. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werden diesbezüglich aber ab sofort alle Möglichkeiten für eine erfolgreiche Unternehmenssanierung geprüft. Zumindest scheint damit eine zweite Chance zur Verlängerung des eigenen MHD für Froodies wohlmöglich unter ganz neuen Voraussetzungen noch immer möglich zu sein.

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Katrin Mai 22, 2012 um 00:12

Hallo, sehr guter Beitrag. interessante Fragen werfen sie da auf.
was mich wundert ist, warum die Investoren derartige Summen einst investiert haben. die Branche ist bekanntlich sehr margenschwach. sehr gut kann ich verstehen, dass die nun kein weiteres geld zur verfügung stellen.

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