Meine kleine Farm: Schweinische Fotos für respektvollen Genuss

26. Juni 2012

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Ein Berliner Student und ein Brandenburger Landwirt gehen in der Fleischerzeugung neue Wege. Gemeinsam starten Dennis Buchmann und Bernd Schulz den Versuch, Tierhaltung persönlicher zu machen. In ihren Schweineshop meinekleinefarm.org kann man sich genau das Schwein aussuchen, welches später auf den eigenen Teller landen soll.

Dafür werden die Tiere von Geburt an gefilmt. Anhand der veröffentlichten Bilder können die interessierten Fleischesser dann im Internet abstimmen, welches Tier geschlachtet, verarbeitet und anschließend per Post verschickt wird. Die Idee dahinter: Wer sich ein Leben lang kennt, der respektiert sich auch. Denn wer die Wurst isst, soll ganz genau wissen, welches Schwein das Fleisch geliefert hat.

MeineKleineFarm - Schweinische Fotos

Doch was genau steckt hinter dieser Idee?

Der weltweite Verzehr von Fleisch liegt im Durchschnitt bei 34 Kilogramm im Jahr. Fast doppelt soviel, nämlich ganze 61 Kilogramm isst der Deutsche Konsument hingegen laut Bundeslandwirtschaftsministerium mittlerweile – den Großteil davon vom Schwein. Das sind pro Woche stolze 1,2 Kilogramm. Für eine ausgewogene Ernährung empfehlen Experten jedoch nicht mehr als 50 bis 100 Gramm je Tag.

Die Auswirkungen dieses hohen Fleischkonsums und der Massentierhaltung haben langfristige Folgen, die auch alle Nichtesser betreffen. Denn im Zuge eines stetig steigenden Fleischkonsums werden mehr und mehr natürliche Ressourcen verbraucht. Um den Fleischhunger der Deutschen zu befriedigen, benötigt man aktuell in etwa die Fläche unseres Nachbarlandes Österreich für die Bereitstellung von ausreichend Futter und Weideland.

Unter diesem Flächenverbrauch ächzt die globale Umwelt zunehmend und der steigende Fleischkonsum trägt nachweislich zum Klimawandel bei. Weltweit stammen bereits bis zu 18 Prozent der Treibhausgasemission von der Viehwirtschaft. Auf diese Problematik möchten Student Buchmann und Bauer Schulz mit ihren Schweinshop aufmerksam machen und die Konsumenten verstärkt zum Nachdenken anregen, bevor ein x-beliebiges Stück Fleisch auf ihren Teller landet.

Wie in guten alten Zeiten…

Denn gerade beim Fleisch sollten Verbraucher wissen, woher es kommt. Dies bestätigen auch diverse Umfragen der beiden Wurstproduzenten. Es ist somit nicht verwunderlich, dass immer mehr Konsumenten Ausschau nach regionalen Erzeugnissen halten, da sie einen direkten Bezug zur Herkunft der geschlachteten Tiere suchen.

So sind nicht nur viele ältere Menschen Kunden bei meinekleinefarm.org, sondern auch die jüngere Generation sucht wieder verstärkt nach dem Metzger um die Ecke, den es so heutzutage immer seltener gibt. Denn den meisten ist es wichtig, dass es den Tieren zu Lebzeiten gut ergangen ist. Dafür steht auf meinekleinefarm.org die regelmäßige Bild- und Filmdokumentationen der einzelnen Schweine. Und die Idee stößt auf reichlich Interesse, denn aktuell steht bereits Schwein Nr. 20 vor der Kamera.

Doch auch wenn das Projekt zum Nachdenken über den eigenen Fleischkonsum anregen soll, wollen die Beiden niemanden ein Leben als Vegetarier auferlegen. Vielmehr bietet man gnadenlose Transparenz – ganz ohne Biosiegel, denn am Wichtigsten ist den Machern von meinekleinefarm.org, dass die Konsumenten ihre Fleisch- und Wurstprodukte respektvoll verzehren.

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