Wer dominiert im Schweizer Lebensmittel-Onlinehandel?

14. August 2012 · 1 comment

in Alle Artikel, Blick ins Ausland

Anders als in Deutschland hat sich der Lebensmittel-Onlinehandel in der Schweiz in den vergangenen Jahren bereits als eigenständiger Vertriebskanal etabliert. Dabei wird der eidgenössische Markt von den beiden Lebensmittel-Supermärkten LeShop.ch und Coop@home dominiert – eine kurze Bestandsaufnahme.

Bei Coop@home sind aktuell über eine halbe Million Schweizer als Kunden registriert. Und der Anteil ist weiter steigend. Somit peilt das Online-Unternehmen in diesem Jahr an, die Schwelle von 100 Mio. CHF (83 Mio. EUR) Jahresumsatz zu durchbrechen. Das entspräche einer weiteren Umsatzsteigerung von 16% im Vergleich zum Jahr 2011. Von solchen Umsatzzahlen können deutsche Online-Supermärkte nur träumen.

Schweizer Kaufen Frische

LeShop.ch ist sogar noch einen Schritt weiter. So konnte die Migros-Tochter schon im vergangenen Jahr rund 150 Mio. CHF (125 Mio. EUR) umsetzen. Jedoch stagniert deren Geschäft mit Lebensmitteln aktuell auf hohem Niveau, so dass in der ersten Jahreshälfte knapp 4% weniger umgesetzt wurden, als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Diese Wachstumsflaute führt LeShop hauptsächlich auf den starken Schweizer Franken zurück, der einem länderübergreifenden Einkaufstourismus zusätzlich Vorschub leistet. Hinzu kommt natürlich der branchentypische Preisdruck bei Lebensmitteln und eine anhaltende Verunsicherung der Konsumenten.

Dennoch gehen die Verantwortlichen bei LeShop davon aus, dass in fünf Jahren die Schweizer Haushalte mindestens jeden fünften Lebensmitteleinkauf via Internet tätigen werden. Um jedoch vom anvisierten Potential optimal profitieren zu können, wollen beide Online-Supermärkte in Zukunft ein wenig an den Stellschrauben ihres Geschäftsmodells drehen.

LeShop - Onlinetochter der Migros

Denn heute gelten sowohl LeShop als auch Coop@home eher als Supermarkt-Plattformen, auf denen die Schweizer ihre Wochen- bzw. Monatseinkäufe tätigen. Dies zeigen auch die Werte der durchschnittlichen Einkaufsbons, welche sich bei beiden Unternehmen in traumhafter Höhe zwischen 240 CHF und 250 CHF bewegen.

Denn gerade die Warenkorb-Größe ist im Onlinegeschäft der alles entscheidende Faktor, um den Lebensmittel-Lieferservice wirtschaftlich betreiben zu können und ausreichend Skaleneffekte zu erreichen. Somit erzielen beide Unternehmen bereits einige Quartale schwarze Zahlen.

Coop@home setzt hierfür auf ein zentrales Online-Lager, welches 14.000 Artikel im Sortiment vorrätig hat. Zudem erreicht man mit der eigenen Lieferflotte in den dicht besiedelten Schweizer Regionen bereits 65% der Bevölkerung. Die angebotenen Lieferfenster umfassen dabei ganze Stunden, wobei es mehr als eine halbe Stunde Verspätung nicht geben soll.

Falls ein Kunde mit keinem der vorgeschlagenen Belieferungsfenster zufrieden ist, kann er auch einfach die Vormittags- oder Abendzustellung anklicken. Dann wird auf die Dienste des Kooperationspartners Schweizer Post zurückgegriffen, welche darüberhinaus die Bewohner der abgelegenen Gebiete beliefert.

Als diversifiziertes zweites Standbein setzen beide Online-Supermärkte bei der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle verstärkt auf Selbstabholer und testen dafür eigene Drive-In Stationen. Bereits seit Ende letzten Jahres sorgt eine erste Drive-In Station in Zürich für mehr zeitliche Flexibilität bei den Coop@home Kunden.

Coop setzt auf Drive-In

Diese können bereits 2 1/2 Stunden nach Bestelleingang ihren sorgfältig gepackten Einkauf kostenlos in den Kofferraum verpacken. Der Mindestbestellwert beträgt hierfür 100 CHF. Diese zusätzliche Diversifizierung bietet der Kundschaft neben den Wochen-Großeinkäufen sozusagen im Vorbeifahren auch die Möglichkeit schnell mal einen etwas kleineren Tageseinkauf mitzunehmen.

LeShop will im Herbst diesen Jahres auch mit einem eigenen Drive-In in Studen nördlich von Bern an den Start gehen, wie man aktuell auf LeShop.ch nachlesen kann. Hierfür bietet die Migros-Tochter über 8.000 Produkte (rund 2/3 des Gesamtsortiments) an, welche 2 Stunden nach Bestelleingang abgeholt werden können. Anderes als Coop@home wird jedoch auf einen Mindestbestellwert verzichtet.

Mit der Ausweitung auf Lebensmittel Drive-In Stationen baut man auch auf die immer stärkere werdende mobile Nutzung via Smartphone oder Tablets in Kombination mit hochfrequentierten Verkehrsknoten, an denen die Kundschaft in der Regel sowieso vorbeifahren muss. Ist man erstmal vor Ort, dann benötigt man für seinen Einkauf wirklich nur noch 5 Minuten.

Zu den bedeutendsten Kundengruppen der Schweizer Online-Supermärkte zählen einerseits berufstätige Frauen, für die Zeit das wesentliche Kriterium für einen Lebensmittel-Onlinekauf ist. Daneben nutzen vor allem Weinkunden den Einkauf via Internet, da sie die große Auswahl an Wein und Spirituosen zu schätzen wissen.

Es bleibt also spannend, wie sich der Handel mit Lebensmitteln über das Internet in der Schweiz weiterentwickelt, denn ein klarer Sieger ist noch nicht abzusehen.

Print Friendly
Alex August 16, 2012 um 23:20

Eine super Idee dieser online Supermarkt. Es ist echt schade, dass es sich in Deutschland NOCH nicht so stark verbreitet und durchgesetzt hat.

Previous post:

Next post: